PET

Kuscheltier mit Computer sucht Anschluss

Dass sich Dauerfisch kurz vor Veröffentlichung ihres dritten Albums in die Haare bekommen haben, um sich postwendend aufzulösen, hat man nicht nur bei ihrem Label Bungalow bedauert. Die Leistungskurve zeigte nach einem mäßigen Debüt und dem verdammt groovigen Nachfolger "Crime Of The Century" steil nach oben. "Norm And Normas Diet" schließlich - das letzte Stück, das man von Dauerfisch zu hören bekam - war ein absoluter Knüller, mit dem sich das Duo Abshagen/Treu weg von den Beats zu eher klassischem Songwriting bewegte. Und so schlummert nun in den Archiven des Bungalows ein fertig produziertes Album von dem die Labelmacher sagen, es sei das beste was Dauerfisch je gemacht hätten. Kein Wunder also, dass wir gespannt waren auf das erste Material, dass die eine Hälfte des ehemaligen Dauerfisch Gespanns André Abshagen mit seinem neuen Projekt PET vorlegt. Abshagen legt besonderen Wert darauf, die neuen Stücke alle auf der Gitarre geschrieben zu haben, und betont, sich weg von den Samples hin zum Song bewegen zu wollen. Und wer nun die Fortsetzung des mit "Norm And Normas Diet" eingeschlagenen Weges vermutet, liegt musikalisch ziemlich daneben. Denn "Player One Ready" ist mehr die Elektro-Version von Bowie zu seinen Glam Rock-Zeiten oder auch das moderne Remake der guten alten C64 Bleeps. So facettenreich wie die Australischen Wunderkinder Gerling, so einfühlsam wie die Super Furry Animals - das alles ist PET. In England wird Absagen dafür bereits gefeiert, hierzulande wird er es vermutlich schwieriger haben. Nicht nur, weil die Deutschen seine feinen englischen Texte nicht verstehen werden. Sondern vor allem wohl, weil es in der deutschen Musiklandschaft keinen wirklichen Platz für Nischen gibt, wie sie der Werbekomponist Abshaben liebt. Ein Grund mehr für uns, ihm das Wort zu geben!

Warum hat es mit Dauerfisch nicht mehr geklappt?

Es klingt vielleicht etwas absurd, aber letztendlich konnten wir uns damals, nachdem wir unser Album aufgenommen hatten, nicht mehr auf einen Titel und ein Cover einigen. Da war plötzlich komplett der Wurm drin. Und irgendwann ging leider gar nichts mehr mit der Band. Deshalb wurde dann auch aus meinem anfänglichen kleinen Nebenprojekt PET meine Hauptband.

Fertig produzierte Musik, die niemand hören kann ein Alptraum?

Das kommt immer auf die Musik an...

Wieso bist du mit PET auf Grönland und nicht mehr auf Bungalow?

Für mich war die Perspektive, bei einem Londoner Label unterzukommen, sehr interessant. Am wichtigsten ist aber, dass man sich mit seiner Arbeit bei seinem Label verstanden fühlt und genügend Unterstützung bekommt. Und das ist bei Grönland absolut der Fall. Das Label ist klein, das heißt, die Kommunikationswege sind kurz und alles läuft sehr familiär ab, was ich sehr schätze.

Muss Herbert Grönemeyer die Musik selbst mögen oder beschäftigt er sich mit dem A&R nicht?

Erstmal ist natürlich die Meinung von René, dem Chef von Grönland, maßgeblich... Aber, soweit ich weiß, hört Grönemeyer sich die Sachen auf jeden Fall an und entscheidet auch bei der Auswahl der Bands teilweise mit. Auch wenn er natürlich nicht die tägliche Labelarbeit macht.

Deine Singles wurden in England ziemlich abgefeiert. So etwas ist in Deutschland wohl eher unwahrscheinlich. Warum eigentlich? Haben wir Deutschen ein Problem mit moderner Pop-Musik, die aus dem üblichen Schema fällt?

Ich bin natürlich sehr glücklich über die gute Resonanz aus England, und ich glaube, so schlimm ist das in Deutschland gar nicht. Die erste Single "No Yes No" zum Beispiel wurde ja von mehreren deutschen Radiostationen ins Tagesprogramm aufgenommen - selbst bei EinsLive, eigentlich einem Mainstream-Sender. Ich denke, die Deutschen haben auch langsam genug von den größten Hits aus den Achtzigern, Neunzigern und so weiter. So einen Mist will wirklich niemand mehr, und so langsam merken das auch die Verantwortlichen. In England ist vielleicht das Interesse an neuer Popmusik etwas größer, aber man sollte trotzdem nicht vergessen, dass auch dort Enrique Iglesias und Dido ganz vorne in den Charts zu finden sind. Das Problem mit der Akzeptanz neuer Popmusik ist also vielleicht eher ein globales Problem.

Deine deutsche Lieblingsband?

Erstmal natürlich meine Labelkollegen NEU!, aber die gibt's ja aber leider nicht mehr. Meine aktuelle Lieblingsband ist Räuberhöhle aus Berlin.

Berlin ist immer noch DIE Stadt?

Na ja...erstmal ist es für mich die Stadt, in der ich ganz gerne lebe. Die Arbeitsbedingungen für Musiker sind ja allgemein nicht gerade die besten. Und da ist es vielleicht in Berlin noch am angenehmsten, weil hier wenigstens viele Menschen sind, die an guter Musik interessiert sind. Außerdem gibt es ein paar nette Clubs, viele Konzerte und das Leben ist nicht so absurd teuer wie in London, Tokio oder New York.

"Picnic By The Sea" klingt sehr wie Super Furry Animals, "Superpet" oder "Intro Theme geht in die Richtung Mina. Stilmix oder Abwechslung?

Für mich ist das ganz normal, dass auf einem Album nicht ein Stück wie das andere klingt. Da denke ich schon gar nicht mehr darüber nach. "Intro Theme" ist übrigens eine Coverversion von einem alten C64-Computer-Stück - ein Hammerstück, schon im Original. Es gibt ja zum Glück seit ein paar Jahren die ganzen alten C64-Sid-Tunes im Internet zum Download, das war eine große Inspiration für mein Album. "Superpet" ist für mich ein ganz spezielles Stück, schon allein, weil ich wirklich lange mit dem Arrangement und dem Mix des Stückes zu tun hatte. Ich glaube, mit Mina hat das ehrlich gesagt nichts zu tun...

Deine Lieblings-TV-Serie der 80er?

In den Achzigern gab es eigentlich nur ziemlich schlimme TV-Serien, oder?! Obwohl... 'Kottan ermittelt' war nicht schlecht.

Du bist erklärter Zoot-Woman-Fan, die Meister des Image. Hast du PET auch ein Image verpasst? Wie wichtig ist die Darstellung im Popgeschäft?

Ich glaube, Image 'verpassen' ist da der falsche Ausdruck. Man muss sich natürlich einerseits überlegen, wo man mit der Musik hin will. Andererseits sollte man sich aber immer noch wohl in seiner Haut fühlen. Bei PET hat sich das alles über die letzten Monate ganz von allein entwickelt, ohne Masterplan oder Druck von außen, was ich sehr angenehm finde.

Deine Lieblings-B-Seite?

"Strawberry Dross", B-Seite von Captain Sensible's WOT.

Daniel Schulze


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