Ich hatte es mir schlimmer vorgestellt. "GUZ versteht in keiner Hinsicht irgendwelchen Spaß", warnen Trümmerpromotion und Label Elbtonal auf den Künstlerinfoseiten vor Olifr M. Guz, musikalisch auch als der GUZ oder Körperteil der Aeronauten bekannt.
Außer dem Wunsch, bitte von oben fotografiert zu werden, weil er da besser aussähe und dem Anliegen, alle Menschen mögen doch jetzt bitte sein neues Album "Geheime Weltregierung" kaufen, damit er endlich reich werden könne, stellte er auch weiter keine Ansprüche. Die Sache mit dem Albumverkaufen könnte sich diesmal sogar einfacher gestalten als bisher. "Die neue CD kann man auch gut finden, wenn man nicht total bescheuert ist", findet GUZ und bekennt: "Auf "In GUZ We Trust" da waren schon Sachen drauf, da muss man schon daneben sein um die zu mögen." So als Album ist "Geheime Weltregierung" wirklich keine schwere Kost. Den ehemaligen Plattenvertrag mit der Lado Macht aus Hamburg hört man gut raus. "Da bin ich aber nicht mehr. Die Aeronauten und ich haben zu wenig eingespielt". Nun, kennen sollte man die Aeronauten respektive GUZ schon, nur wie gesagt, Lado ist gut zu hören. Und so klingt GUZ wie ein Querschnitt durch alle Bands, die bei SPEX Lesers Lieblingslabel so untergebracht sind. Und wenn man Stella, Sterne, Superpunk hören mag, kauft man sich eben selbige - und nicht GUZ. War's denn wirklich so schlimm mit den Verkaufszahlen? "1500 verkaufte Tonträger insgesamt sind ja jetzt nicht wirklich viel, oder? Deswegen drücke ich jetzt auf die Mitleidsschiene um reich zu werden." Na, viel Erfolg auch.
Einstweilen unterstützt er selbst ab und an ganz gerne mal die Plattenindustrie. "Ich war hier in der Stadt in einem Plattenladen, guck mal, was ich alles mitgebracht habe." Er zieht eine Plastiktüte mit einigen Tonträgern hervor. Vinyl versteht sich. Also, erstes Exemplar, ein Country Sampler. "Mag ich auch mal ganz gerne." Auf Iggy Pop folgt noch Madness, "großartige Band, immer gewesen", und dann noch Discharge. GUZ strahlt wie ein kleiner Junge. "Das ist übelster Prügelpunk. Das Härteste, was es damals gab. Eigentlich sind die ja schon ein bisschen abgenudelt, aber ich bin halt so'n Retrotyp". Sprach's und stopfte die Schallplatten wieder in die Tüte.
"Die Milkshakes sind übrigens auch toll, vergiss nicht, die zu erwähnen". Für GUZ die größte Band aller Zeiten, er wäre gerne dabei gewesen. "Die haben zehn CDs raus gebracht, alles Rock ‚n Roll, klingt alles gleich. Aber die dürfen das, ich meine, wer will schon, dass sich der Rock ‚n Roll weiterentwickelt?" Let there be rock. Für seine Musik soll das mit der Stagnation aber nicht gelten, betont der Olifr. "Ich denke schon, das GUZ sich weiterentwickelt. Ich hab mir beim neuen Album schon Mühe gegeben, eine gute Platte zu machen. Aber wie das nun so genau vonstatten ging... . Kann es nicht genau definieren, weiß ich nicht! Dennoch würde ich sagen, da muss schon was dabei gewesen sein, ich denke, vor zehn Jahren hätte es die ‚Geheime Weltregierung' so nicht gegeben". Die Texte sind laut GUZ nicht mehr das tragende Element. "Man könnte die Platte wohl auch in Finnland spielen. Man kann die Musik inzwischen auch mögen, ohne die Texte zu verstehen, die ja sonst immer sehr abstrus waren." Trotzdem gibt es nach wie vor keinen roten Faden, der sich durch die Musik zieht. "Immer das gleiche Muster, das kann man für einen Song machen, aber nicht für zwölf Lieder hintereinander." So gesehen gibt er sich Mühe. Nun, vielleicht nicht gerade der Renner, das Album. Aber wir können es ja alle kaufen, weil Olifr M. Guz ja doch ein netter Kerl ist.
GUZ "Geheime Weltregierung" ist bereits bei "elbtonal" erschienen
Margot Wilhelms