Ein Konzert am 19. März und eine Single gegen den Irakkrieg. Das ist schon ein trauriges Zusammenpassen. Es ergab aber ein friedliches Interview mit Andreas (Bass) und Nils (Gesang, Gitarre, Harmonika) von Fink.
Bagdad Blues - ein Lied zum Irakkrieg. Wie kam es dazu?
N: Da war ein Konzert in Berlin, zu Ehren von Hank Williams, und dort war ein Bekannter von mir, Peter Lohmeyer. Er meinte, er würde gerne mal singen und ich sagt, gut, Peter, dann sing. Später rief ich ihn an. Erstmal war er Gastsänger für zwei Lieder bei uns bei nem Konzert und dann hatte Peter die Idee für ein Lied zur Irakproblematik. Ich war erst skeptisch, ob ich da überhaupt einen Text zu so was schreiben kann und auch will. Aber dann hab ich mir "Bowling For Colombine" angesehen und dachte mir, gut, du musst es naiv angehen. Damals war das ja alles noch gar nicht so klar, dass da wirklich eine Aufnahme entsteht, aber wir haben das dann zwei Tage lang im Plattenstudio aufgenommen.
Der Song klingt aber nach schwer amerikanischen Country! - Persiflage oder Finkmusik?
A: Wir haben bewusst dieser Form der Musik für Bagdad Blues gewählt, so in dem Countrystil. Es geht ja auch um die USA und die Politik, die sie verfolgt da braucht das Ganze dann natürlich ein amerikanisches Outfit. Punk oder Britpop ist da nicht so angesagt, die Musik darf nicht anstößig sein oder provokativ. Die Subtilität der ganzen Geschichte wird über den Text vermitteltet, die Musik ist nur ein Vehikel, ein Trojanisches Pferd sozusagen. Es sollte auch am Nachmittag im Radio kommen können. Der Song lief ja sogar beim NDR im Nachmittagsprogramm, da läuft auch Heino und so, da haben sich die Menschen das gewünscht.
N: Wenn ein Lied eine so eindeutige Botschaft hat, so eine Subversivität, dann geht es nur, wenn man das in einer ruhigen Art von Musik vermittelt.
What about the making of the album?
We knew it was taped but there were no plans for it to be released as an album, it was just to make a document of what we did at the moment. It took a year until our friend Niclas Stenholm decided to put it out on his own little label called Graviation. We thought it captured us in a very hungoverweakshakyfragilefuckedup kind of way which was great.
Und im Endeffekt ist der Song eure Stellungnahme zur Sache?
A: Es ist natürlich billig, als Musiker zu sagen, ich schreib jetzt nen Song und dann hat man seine Schuldigkeit getan Dann ist dann noch dieses Ohnmachtsgefühl, dass wir gegenüber den USA haben. Die ziehen da einfach ihr Ding durch, mit aller Brutalität und Grausamkeit und total skrupellos.
N: Es war ja erst eher ironisch und heute ist es bitterer Ernst, wenn heute um 20 Uhr die ersten Angriffe starten. Ich würde so etwas aber nicht noch einmal machen. Ich bin ja Musiker, nicht Politiker.
Bagdad Blues deshalb weniger musikalische Stellungnahme als Hilfe...
N: Der ganze Erlös der Single geht an eine Hilfsorganisation namens Medico International. Deswegen spielen wir den Song dann auch heute Abend, damit wir durch den Verkauf mehr helfen können.
A: Medico International haben sich ja auch nach Saddams Giftgasangriff für die Opfer eingesetzt. Wir haben deshalb bewusst die ausgesucht, weil der Vorwurf kam, wir würden uns nur gegen Bush stellen, aber Saddam sei ja auch ein Verbrecher. Medico International haben sich mit ihrer Hilfe für die Opfer und Aufklärungsarbeit ja auch gegen Saddam gewandt und somit haben wir zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen.
Ihr lebt aber nicht nur von Musik allein?
N: Ich mache neben bei noch Kunst unter dem Namen SAM!, Henning unser Schlagzeuger, malt auch und hat gerade auch noch seine erste Soloplatte raus. Der Sound ist aber eher nicht so wie Fink, sondern mehr in die ruhige Ecke. Außerdem singt er auf Englisch.
A: Das ist mehr so rustikaler Wohnzimmerpop. Hennings Projekt heißt "The Mountaineer" und die Platte heißt "Sunny Day" und genauso kann man sich die Musik vorstellen. Sehr akustisch auch.
Bevor ich bei Fink gespielt habe, hab ich Videos gedreht und Installationen gemacht und dann hab ich noch ein Seitenprojekt, "Halma", da machen wir instrumentalen Ambientepostrock, das kann man übrigens auch bei Glitterhouse beim Mailorder finden.
Ihr habt das Label gewechselt?
N: Wir sind jetzt bei Trocadero Records, letztes Jahr haben wir uns von "L'Age D'Or" verabschiedet. Wir wollten nicht in dieses Standartprogramm reinfallen, immer beim gleichen Label Platte für Platte zu machen. L'Age D'Or" ist schon auch so ein spezielles Label. Früher waren halt auch mal so zehn oder zwölf Trainingsjacken auf unserem Konzert. Wir haben keine Lust, musikalisch irgendwo stehen zu bleiben....
Also seid ihr musikalisch weitergegangen! Wohin fliegt der Fink-Fogel?
A: Aus bandinterner Sicht ist es schon so, dass wir den Stil verändern. Es ist natürlich auch Einschätzungssache von den Hörern. Ich finde, es war früher spartanischer und instrumenteller und von der dritten auf die vierte Platte ist es dann voller geworden im Klang. Die Songs sind auch rhythmischer und grooviger geworden. Die neue Platte von uns gibt es dann im August.
N: Sie heißt zu 80% "Haiku Ambulanz", das ist aber erst der Arbeitstitel. So 'ne große Geschichte mit dem Namen gibt's da nicht. Im Original ist es der Name eines Gedichtes von Richard Bräutigam. Das könnte man jetzt interpretieren, so, Poesie als Ambulanz, als Verarzten, aber so viel Kopfarbeit haben wir uns da ehrlich gesagt gar nicht gemacht. Das neue Album ist noch nicht fertig. Ich könnte mir ja jetzt ein paar Plattitüden ausdenken, will ich aber nicht. Ich denke, es wird grooven.
A: Wir sind diesmal die Sache anders angegangen, wir haben zum ersten Mal digital statt analog aufgenommen. Da konnte man mehr ausprobieren, mehr schneiden. Es war überraschend und es gab durchaus künstlerisch wertvolle Zufälle.
Die meisten Bands ärgert es furchtbar, wenn man sie in Schubladen steckt. Ich persönlich finde es sehr praktisch, wenn wir eine Schublade hätten, dann könnte man besser über die Musik reden.
N: Letzen Endes sind wir ja ohnehin immer auf der Suche nach der richtigen Finkmusik.
Lieblings-B-Seite?
N: Wim Thoelke: "Ich bin ein kleiner Hund".
A: So 'n Instrumentalding von Tom Dooley