Und alle dürfen mitsingen - Helden ohne Starallüren!
Für die Frage danach, wie "Wir sind Helden" zu ihrem Namen gekommen sind, gibt es inzwischen schon einige Versionen. "Die Frage ist wohl unsere unbeliebteste", gibt Judith Holofernes, Sängerin der Helden, zu. "Aber langsam haben wir alle unsere Antworten schon ein paar Mal durch, auch die lustigen!" Dass die Helden aus Berlin die ganzen Leute da draußen persiflieren wollten, die sich so als Helden ausgeben und ausgegeben werden, kommt der Wahrheit am nächsten. Aber ich wollte ja nicht fragen.
Muss ich auch nicht, es gibt wichtigere Dinge. Etwas müde sitzen Judith und Pola im Nightliner. "Wir sind seit zehn Tagen unterwegs und es gibt so viel parallel zu tun", erklärt Pola. "Interviews geben und das Album ist ja auch in den letzten Zügen. Mitte Juli kommt es raus". "War eine schwere Geburt mit dem Cover, bis wir alle Bilder raus gesucht hatten , die wir dabei haben wollen", wirft Judith ein. Verraten wird aber nichts. Bald können es ja alle selbst sehen.
Nette Menschen und nette Helden
Als letztes Jahr "Wir sind Helden" in der Stadt waren, wollte noch keiner mit aufs Konzert. Kennt doch keiner. Dieses Mal war der Club ausverkauft. "Das heißeste Konzert der Tour", lacht Judith und gibt Wasserflaschen in die schwitzende Menge. Die Menschen sind völlig nass geschwitzt, aber keiner kommt auf die Idee, das auch nur einen Moment schlecht zu finden. "Wir Sind Helden" geben ein Konzert und alle sind glücklich, noch eine Karte bekommen zu haben. Der Clubbesitzer verteilt Eiswürfel, die Leute strahlen um die Wette und singen jede ihnen bekannte Liedzeile mit. "Das ist so toll, wenn die Leute mitsingen", hat Judith noch vorher gemeint. "Da stehen nett aussehende Menschen im Publikum, alle singen mit, dann bin ich total glücklich!" "Wir Sind Helden", machen Konzerte zum Glücklichsein. Was sicherlich dazu beigetragen hat, dass momentan fast jeder deutschsprachige Radiosender in halbwegs jugendlichem Format die beiden Singles der Helden "Guten Tag" und "Müssen Nur Wollen" im Programm hat. "Den Leuten hat es gefallen, was wir spielen, die Songs, die Texte", bestätigt Pola. Auch FM4, Österreichs Jugendsender mit eigenwilligem Format und dafür berühmt, diverse Bands lieb zu gewinnen, hatte wesentlichen Einfluss, auch im südlichen Teil Bayerns, wo einige Glückliche via Kabel in den Genuss von FM4 kommen. "Die waren Schuld, dass wir in München so viel Spaß hatten", grinst Pola. "Da waren eine Menge Leute aus dem Publikum auf der Bühne! Wenn FM4 eine Band mag, dann so richtig, dann sind die total liebevoll. War schon beeindruckend!" Der erste Sender, der die Helden für sich entdeckt hatte, war Radio XXL in Hessen. "Die haben uns richtig gepuscht, und die Berliner Radios sowieso", erzählt Judith. Das Video läuft genauso erfolgreich. "Das kommt sogar in den regulären Sendungen, nicht nur in den Spezialprogrammen. Also Viva, M-TV und Onyx. Charlotte hat unser Video bei Viva mal total nett angesagt, aber ich hab die Sendung verpasst. Hoffentlich hat mir das wer aufgenommen!"
Neu an der Berliner Schule?
Die Musik von den Helden ist auch nicht schwer lieb zu gewinnen. Wie soll ich es beschreiben? Elektropop? Ein Hauch von NDW? Heldenmusik, Texte zwischen Lebensfreude und Schwermut, Melodien zum tanzen, weinen, mitsummen, ... . "Guten Tag" und "Müssen Nur Wollen", kratzen am Lack des schönen Scheins, rütteln an der aufgeräumten Welt cosmopolitaner Superyuppies. Attitüde von Punk und Lächeln des Pop. Dagegen und glücklich. Die Schublade wurde bereits gefunden: Berliner Schule. Judith weiß nicht recht, was davon zu halten ist. "Wenn Leute den Begriff Berliner Schule benutzen, finde ich das eine gute Ironie auf die Hamburger Schule. Aber ehrlich gesagt, bin ich dieser Schulklasse noch nie begegnet." Missverständnisse gibt es auch bei "Müssen Nur Wollen". Für Judith ist das ein bisschen erschreckend. "Das passiert schon, dass Leute den Song in den falschen Hals kriegen, die denken dann, das sei ein Motivationslied. Dabei ist da viel Ironie mit drauf, weil ich finde das so pseudo, dass man nur wollen muss und dann geht schon. Wenn Leute aber ein Antriebsproblem haben und das Lied hilft ihnen, gut, dann ist es recht. Nur wenn so ein Motivationstrainer es benutzen sollte, nein, das fände ich nicht so gut."
Auf ihrer Tour kommen "Wir Sind Helden" auch auf vielen Festivals vorbei. Immer gut, um alte Bekannte zu treffen. "Virginia Jetzt!" sind ihnen sowohl menschlich als auch musikalisch ausgesprochen sympathisch. Pola ist von "Sportfreunde Stiller" völlig begeistert. "Die sind ja so nett, ich hab mich so gefreut, als wir die mal kennen lernen konnten". Vielleicht mag ja das Sportfreunde-Publikum auch die Helden? Pola fände das toll. "Das soll jetzt aber nicht arrogant klingen, ich meine, die sind ja viel bekannter als wir. Ich dachte nur, also, vielleicht...!" Nein, arrogant ist das bestimmt nicht. Nicht bei so einer Band. Nicht bei Helden, deren Sängerin sich entschuldigt, weil das Interview erst eine Viertelstunde später anfängt. Keine Starallüren, sondern einfach vier wunderbare Menschen. Das sind Helden!
Judith: Von Boy George, "Do You Really Wanna Hurt Me?", das war mal ne B-Seite, ich hab sie geliebt!
Pola: Eine von Red River Rock, aber der Name....?
Maggi Wilhelms