Killerkouche-Interview

Big in Berlin, Big in Japan oder beides...

Die Sache mit dem Namen war ein Irrtum. Ursprünglich mit literarischem Anspruch erdacht, ist "Killerkouche" nun nur noch die Verbalhornung der Idee mit dem Shakespearerezensenten. Die Musik jedoch wird von allen, ob Bravo oder Visions, verstanden. Henning: "Wir machen auf jeden Fall allgemeinkompatible Musik". Letztes Jahr samt dem Album "Revolution" gefeiert, waren Killerkouche nun auf Tour. Nun noch mal ins Studio und dann kommt das neue Werk samt dem "Welthit auf den alle gewartet haben". Berliner Schnauze mit britischem Beat.

Ganz schön was erlebt im letzten Jahr... . Stress oder Spaß?

Robert: Das war ne Initialzündung, auf dem "Berlin macht Schule" - Sampler waren wir drauf, Radio Fritz aus Berlin lieben uns auch, weiß auch nicht, wieso, die spielen uns auch ganz oft. Wir waren in der Sendung "Pop Agenten" und was weiß ich... . Es war unheimlich viel Presserummel da, viele Label kamen auf uns zu und das war schon recht cool so. Da mussten wir nach dem ganzen Presserush direkt mal wieder die BRAVO Kaufen. Ist uns aber egal, ist doch schön, wenn die Leute kommen und der Laden ist voll. Wir haben ja auch schon als Vorband von Ostrockbands samt dem entsprechenden Publikum gespielt - war auch toll.

Egal ob Bravo, oder so, Mainstream ist nicht das, was Killerkouche sind.

R: Wir wollten allerdings auch nicht die nächsten Modern Talking werden. Deshalb haben wir unseren Vertrag beim Label "Visa" gemacht. Das ist eigentlich eher ein Punkrock Label, aber der Typ der das Ding leitet, ist echt super, er hat uns nämlich völlig freie Hand gelassen und das war auch im Endeffekt das, was wir am Liebsten wollten.

Also kein Punkrock. Sondern?

R: Als Musik machen wir Sportfreunde Stiller ohne Sport. Das sage ich immer so, weil die Musik, die nach unseren Konzerten läuft, ist immer wahlweise von den Sportfreunden oder von Tocotronic. Nun, wir spielen vielleicht so ähnlich, aber ein wenig anders. Man hört bei denen schon, dass sie deutsche Musik machen. Wir singen zwar auf deutsch, aber unser Sound ist doch britischer. Wir kommen ja auch von der Insel. Berlin ist ja auch fast ne Insel - oder war es mal, so in DDR - Zeiten.

Ein paar Lobeshymnen auf Berlin stehen dann noch aus?

R: Nö, textlich haben wir uns aber nicht mit der Stadt befasst. Dennoch ist es toll, in Berlin zu leben. Man hat gerade als Newcomerband eben die Chance, in vielen verschiedenen Clubs zu spielen, weil man nicht so schnell alle durch hat. Außerdem haben wir in Berlin ja auch Radio Fritz, die uns sehr pushen. Wir haben ja auch schon vor Angelika Express gespielt, die haben auch so ein Lied, das heißt "Geh Doch Nach Berlin". Ein bisschen mosern andere Bands halt schon gegen die Stadt, aber egal. Berlin wird ja schon sehr gehyped. Die Stadt hat sich ja auch sehr verändert. Aber wir leben schon immer in Berlin, das ist halt unsere Heimat. H: Ich hab das schon so zweimal im Monat, dass ich durch die Straßen gehe und mir denke, hey, geil, ich lebe in Berlin.

Statt Big in Berlin steht jetzt Big in Japan an, richtig?

R: Ganz irre Geschichte!!! Ein guter Freund der Band hat eine Website und forscht auch immer mal ein bisschen im Internet herum. Der hat dabei eine Playlist einer Disko in Tokio gefunden. Offensichtlich spielen uns mehrere Deejays in Japan und in vielen Plattenläden wird auch schon nach unserem Album angefragt. Ich hoffe, wir dürfen bald nach Japan, das wäre echt das Größte. Da in Tokio zu sein und der Laden brüllt.

Wer hat das denn initiiert?

R: Das war auch ein kompletter Selbstläufer, keiner weiß, wie die Platten nach Japan gekommen sind. "In Love With London" läuft ja auch in den Radiostationen und Clubs in Großbritannien, hat dort aber deutlich weniger Erfolg. Wir gucken jetzt erstmal, wie wir das hinkriegen, vielleicht können wir ja das Cover auf Japanisch übersetzen. Hoffentlich hat sich das bald geklärt, es wäre super, wenn das dort so weiterlaufen würde.

Die "Nächsten Sommer Tour" neigt sich dem Ende zu. Kreative Pause zum Meerschaumpfeife rauchen?

R: Wir touren jetzt noch fertig, am Montag geht's dann für zwei Monate ins Studio. Wir hoffen, dass das neue Album dann auch so promotet wird, wie das erste, wir hatten ja durchweg eine positive Resonanz in der Presse. Die Aufnahmen werden in einem kleinen Studio nähe Berlin stattfinden, da haben wir auch schon das erste Album gemacht. Das liegt so richtig auf dem Dorf, hat seine eigene Ferienwohnung und einen Badesee in der Nähe. Wir können uns also ganz aufs Platten machen konzentrieren. Die ersten Demos haben wir ja in Berlin aufgenommen, da kann man nicht so konsequent arbeiten, da muss dann ständig einer weg und hier und da.

Unter welchem Namen dürfen wir dann das neue Album beim Plattenhändler unseres Vertrauens suchen?

R: Der aktuelle Arbeitstitel ist "Minol Zwei". Unser Übungsraum auf dem Gelände des Ostdeutschen Rundfunks hieß Minol und da es unser zweites Album ist, heißt die ganze Geschichte dann eben "Minol Zwei".

Was erwartet uns, wenn wir dann auf die Playtaste drücken?

R: Wir hoffen schon, dass wir uns musikalisch weiterentwickelt haben, das hofft man ja immer. Jetzt konnten wir die Stimmung und die alten Eindrücke vom ersten Album mal sacken lassen. Vielleicht bringen wir andere Instrumente und Elemente mit rein. Bläser oder so. Im Großen und Ganzen ist es aber schon noch die alte Dreierschiene mit Bass, Gitarre und Gesang, Schlagzeuger. Ach ja, und natürlich ist auf der Platte der Welthit auf den alle gewartet haben. Oder so...hoffen wir mal.

In der entsprechenden Szene ist eure Art von Musik ja grade durchaus beliebt. Wie geht's weiter?

R: Ich denke, dass im Moment schon Platz ist für Musik in der Richtung. Tocotronic, die Sterne und so, haben da ja auch einen Weg für geebnet. Wir haben ja auch regen Zuspruch bekommen, ist alles sehr positiv verlaufen. Ich hab da jetzt auch keine überdrehten Hoffnungen. Ich denke, wir machen halt unsere Musik und wir kriegen auch nen hübschen Tourbus. Der Trend geht außerdem wieder zur Livemusik, Ich denke, die Leute wollen das wieder hören, vielleicht weil es ihnen schlecht geht und sie wollen wieder dreckige Rockmusik samt dreckigen Rockmusikern hören.

Wie darf man sich die Menschen vor der Bühne vorstellen?

Unser Publikum ist schwierig in eine Schublade einzusortieren, also, das Publikum gestern in Leipzig, ich sag jetzt mal, das war Fachpublikum, weißt schon, so Trainingsjacken. In Passau dagegen, also, da waren zum Teil schon richtige Bayernbazis da. Wir dachten erst, es könnte schwierig werden, wegen des Irakkriegs, in Saarbrücken, war das komisch, da hat es ja grade angefangen gehabt. Da war die Stimmung dann doch eher gedämpft. Aber anscheinend gibt's in Bayern am Wochenende keinen Krieg, da wird gefeiert. Ich kann jetzt also nicht sagen, dass wir ein Standartpublikum hätten. Ist aber immer recht chillig. H: Unser Publikum ist sehr breit gefächert. Wir machen eine geile Stimmung, es ist ein hoher Unterhaltungswert da. Die, die die Platte dann kaufen, sind aber schon halt eher Trainingsjacken.

Und noch die Sachen mit dem Namen. Ihr hattet es ja zunächst literarisch probiert... . Da immer gern, aber schon einige Male erzählt nun die Short Cut Version.

R: Also, Uli hat Englisch studiert und es gab da so einen berühmten Shakespearerezensenten, die hieß Quillercouche. Den Namen fanden wir lässig, aber die Presse hat sich wohl geweigert, ihn richtig zu schreiben. Killerkouche, war die häufigste falsche Schreibweise. Die haben wir dann halt übernommen. Manche sagen auch Mördersofa. Ist mehr für Insider, ist aber auch okay.

Und, für die CD Generation eine sehr verzwickte Frage, eure Lieblings B-Seite?

R: Costa Podalis: Strand Von Griechenland
H: Pixies: Born of Chicago
Uli (eben aufgestanden): Everyroad von den Beatles

Margot Wilhelms


Back