Famous? Oh sure, could I have five dollars, please!
Was für ein Hit! Ein dynamischer Groove, treibende Gitarren, diese Wahnsinns-Stimme: ( ) Someone just give us hope. And rescue us, rescue us. From the kids in their homes, who dont speak to us, they just laugh at us. Koufax geben gleich zu Beginn ihres neuen Albums richtig Gas! Mit Why Bother At All zeigen sie nicht nur, was sie der lethargischen Jugend voraushaben. Sie lassen auch ordentlich Dampf ab, dass man sich fragt, was alle Welt eigentlich von Mando Diao oder Bloc Party redet. Hier spielt die Musik. Klar, dass es die Band im heimatlichen College-Radio bis auf Platz 10 schaffte, gleich nach Radiohead und Coldplay. Bedenkt man noch, dass die Jungs aus Detroit mal eben für ein paar Promo-Gigs nach Deutschland geflogen werden, kann es sich eigentlich nur um die arschcoole Nachwuchshoffnung aus den USA handeln, die nach den Vorstellungen der Plattenfirma in Kürze die Strokes, Franz Ferdinand oder jedenfalls die Killers ablösen soll. Nach Erwähnungen in der lokale Presse werden Koufax auf Partys bereits enthusiastisch empfangen: Hey, Ive seen you in Nylon Fashion Mag. You must be in a big band!
Im in a big band? Oh sure, wanna buy a t-shirt? kann Koufax Mastermind Rob da nur entgegnen. Er weiß es schließlich besser als die Leute, die meinen er sei in irgendeiner Art und Weise berühmt nur, weil er mal in den College-Charts gelistet war. Famous? Oh yeah, can I sleep on your floor tonight? Koufax sind verdammt lustige Jungs, so viel steht einmal fest! Und sehr talentiert sind sie dazu. Die Killers oder die Strokes beerben, werden sie wohl trotzdem nicht. Leider. Denn ihr drittes Album Hard Times Are in Fashion ist ein großartiges Stück Musik, das in der Tat das Zeug zum ganz großen Wurf hat. Doch reicht das, wie wir alle wissen, nicht allein. Was es letztlich braucht, wissen natürlich auch Koufax nicht so genau.
Aber viel wichtiger ist, dass es ihnen eigentlich völlig egal ist. Sie schlüpfen weder für die Bühne in ein bestimmtes Outfit, noch versuchen sie in irgendeine Schublade zu passen. Koufax leben nicht einmal in derselben Stadt, sehen sich nur zum gelegentlichen Proben, zu Aufnahmen oder auf Tour. Eigentlich der Stoff aus dem die ganz großen Geschichten geschrieben werden. Ein Umfeld, das den ureigenen Stil prägen muss. Ganz heißer Shit, der jeden Major ganz wuschig macht, oder? Anbeißen wollte trotzdem niemand und so wurde das Album weniger aus künstlerischer Unabhängigkeit als aus Not auf eigene Faust finanziert.
Den programmatischen Titel Hard Times Are In Fashion kann man insofern durchaus nachvollziehen. Dass sich vor diesem Hintergrund überhaupt jemand in Deutschland für Koufax interessiert, spricht für ihr Label Motor und irgendwie auch für Deutschland. Vor allem aber spricht es für eine Band, die wirklich etwas zu sagen hat. Koufax Songs klingen wirklich so, wie es Plattenfirmen immer schon von dem Erstling ihrer neuen, zwanzigjährigen Helden behaupten: unglaublich reif, tiefsinnig und doch unbeschwert. Das mag alles mit dem Umfeld oder der Einstellung zu tun haben. Eigentlich aber ist es das reine Leben und die Erfahrung damit, welches Rob so wunderschöne Zeilen wie The first drinks since being sober, give us only a taste! zu dichten. Wer dabei wie eine Mischung aus Stephen Malkmus und Ben Folds klingt, hat es wirklich verdient, ein Star zu werden. Zu schön um wahr zu sein, klar, aber man darf ja bitte noch träumen.
Daniel Schulze
Aktuelles Album: Hard Times Are In Fashion (Motor)
Internet: www.koufaxmusic.com
Lieblings-B-Seite: Oasis The Masterplan