Den ganzen Weg gerannt, aber wohin? - Die Langstreckenläufer zum Thema Politik und musikalische Eliteschulen

Ihr werdet häufig, nicht zuletzt von der eigenen Promotion zwischen NDW, Elektropop und Hamburger Schule angesiedelt. Viel finden lässt sich von letzterer Klassifikation eigentlich nicht. Weder sind die Texte übermäßig verzwickt, noch passt der Sound.... . Abgesehen davon, dass man sich immer noch nicht einig ist, ob es diese Schule je gegeben hat.

Michael: Früher hatten wir mehr Gitarre, das war dann eher Hamburger Schule. Bei dem neuen Album kann man das nicht mehr so sagen. Auf jeden Fall ist es synthesizerlastiger geworden. Gitarre, wenn überhaupt, verwenden wir nur unterstützend. Ist alles ein bisschen 80er angehaucht. Synthiepop, das kann man wohl eher sagen.

Fabian: Das mit dem Elektropop der rockt, das war halt der Aufkleber auf dem Cover.

Sandra: Man ändert sich ja dann doch dauernd, das neue Album geht sehr in die elektronische Ecke, also Hamburger Schule, nein, das würde ich nicht mehr sagen.

F: Wir haben auch keine richtigen akustischen Elemente.

M: Von den Texten her ist es ja auch eher minimalistisch. Die Ironie kommt aber mehr aus der NDW-Ecke, das hat mich da sehr beeinflusst.

S: Ich hab inzwischen sowieso die Schnauze voll vom klassischen NDW.

Ihr wollt aber nicht mal so eben dann eine eigene Sparte aufmachen?

F: Eine neue Sparte ist das nicht, was wir machen, man macht ja nicht einfach so als neue Band eine eigene Sparte auf. Das ist halt unser eigener Stil.

M: Es gibt ja schon mehrere Bands, die verschiedene Stilrichtungen mischen. Ein bisschen politisch sind unsere Texte auch noch. Also, "Konsum" zum Beispiel, oder "Bullen". Von dem her, kenn ich keine vergleichbare Band, die Elektromusik mit punkigen Texten mischt. Viele haben das auch falsch aufgefasst, das ist sehr ironisch alles, also auch auf dem Opener, der Satz "wir brauchen euch als Käufer", das war vielen zu plump. Man muss es halt mit nem Augenzwinkern sehen, das haben viele nicht kapiert. In Berlin hatten wir die besten Konzerte, bei denen kam das rüber. Letztens hat sogar einer den Begriff "Berliner Schule" aufgeworfen, was das dann aber so genau ist, keine Ahnung. Wohl schon so die Elektroschiene.

Mit ein bisschen Politik? Oder Systemkritik?

M: Das Lied "Bullen" beruht auf einer wahren Begebenheit. Wir waren in Süddeutschland unterwegs und die Bullen haben uns rausgewinkt und unser Auto durchsucht, jetzt bin ich meinen Führerschein los. Ist fast so schlimm, wie grade bei uns in Hamburg oben, mit Schill. In Hamburg, das wird immer schlimmer, letztens war eine Demonstration, da war ein Aufgebot an Polizei da, und alle dachten, Wunder was da passiert. Es war aber nur eine ganz normale Demo. Die Bauwagenplätze sollen auch geräumt werden, da gibt es jetzt ein extra Gesetz dafür.

S: Ich betrachte mich jetzt nicht als politisch. Aber wenn man halt ein paar Leute persönlich kennt, die mal wieder von der Polizei was abgekriegt haben, dann wird man schon sensibel für solche Themen. In Hamburg ist inzwischen auch viel mehr Bewusstsein da, immer mehr Aktionen von linker Seite, selbst mal in den Technoschuppen, wo man es nicht vermuten sollte. Richtig eine politische Aussage zu haben finde ich aber im Bezug auf Musik gefährlich, weil ich finde, dass bei Musik der Unterhaltungswert im Vordergrund steht. Aber in unseren Texten, das sind jetzt eher so grundsätzliche Sachen, die jeder nachvollziehen kann.

Wer macht denn bei euch den Sound? Synthesizer könnt ihr alle, aber wo kommen die Ideen für Text und Musik her?

M: Die Texte mach ich, Sandra hat auch schon was geschrieben, das kommt aber noch nicht raus. Wir entscheiden nicht im Vornherein, wer wann Synthie spielt, wir spielen es halt im Studio ein und dann sehen wir schon, was passt.

F: Früher haben wir das auch bei Auftritten öfter gewechselt, wer wann die verschiedenen Instrumente spielt, aber das hat immer so lange gedauert, bis dann wieder jeder auf seinem Platz war.

Das neue Album kam kürzlich raus, jetzt auf Tour, ... . Was kommt noch?

F: Letztens hatten wir die Uraufführung unseres glorreichen Videos, das läuft sogar auf Onyx, das ist so ein Musiksender, sendet glaub ich, sogar bundesweit. Das war schon cool, wir haben das Ding von einem Budget von 500 € gedreht, und die Darsteller haben alle auf freiwilliger Basis mitgemacht. Ob die Wirkung von dem Video so groß ist, weiß ich nicht, wir geben ja erst seit einer Woche Konzerte und das Album und die Videos sind ja noch nicht so lang raus. Aber das Video sehen jeden Tag 1000 Leute, das kann einen schon freuen.

Und wo geht es dann musikalisch hin? Vom ersten auf das zweite Album verschwanden die Gitarrensounds, ... . Weitere Schritte folgen?

M: wir haben mit verschiedenen Bands zusammengespielt unsere Songs sind ja auch recht unterschiedlich, da tragen wir schon viele Einflüsse zusammen. Wir wollen auch noch ein bisschen was ändern. Das ist ja nicht schlimm, es gibt viele Bands, die einige Stilrichtungen und Spielarten durchprobieren. Es ist ja egal, wie man es macht, wenn nur ein taugliches Ergebnis dabei rauskommt. Wir haben sogar Dinge geändert, die die spex letztes Mal kritisiert hat. Aber das ist uns erst im Nachhinein aufgefallen. Komischerweise wollten sie diesmal trotzdem nichts über uns schreiben.

Lieblings-B-Seiten?

F: Die Sachen auf der Platte von Vial wo "Ich Steh Auf Berlin" drauf ist.

S: ich hör grad nur unser Zeug, da fällt mir jetzt nichts ein.

M: "Das Schützenfest" von "Faith No More", irre, wie der Sänger sich mit dem deutschen Text versucht.

Margot Wilhelms


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