LESS
Music Causes Fatal Diseases
(Eigenvertrieb über www.klagelied.de)
(emwe). LESS aus Berlin, bestehend in der Hauptsache aus David Bies (Sarah Bies tritt in einer E-Gitarren-Nebenrolle auf), ist ein klarer Fall für die Nackenhaare. Die Tage im Jahr, an denen diese Musik zur Laune passt, sollten an einer Hand abgezählt werden können, sonst ist es als bedenklich einzustufen. Auf dieser Doppelsingle befinden sich zwei neue Stücke, Dream-In und Strange Boy, die in bewährter Portisheadfanmanier nur dann gehört werden dürfen, wenn die Fenster wirklich so zu sind, dass man nicht rausfallen kann und auch keine spitzen Gegenstände herumliegen. Rein menschlich betrachtet sehr traurig, gesellschaftlich gesehen ausgesprochen denkwürdig. Allein, Geschmack und Moral sind zwei verschiedene Blickwinkel. Wer nun Gefallen dran findet, wenn ein Sänger den Mund nicht richtig aufmacht und die Instrumentierung so liebevoll und abwechslungsreich wie eine Plattenbausiedlung ist, der bestelle bitte diese Musik für 6,50 €, die es immerhin schon bis nach New York geschafft hat. Zwar nur zum Zwecke des Gemastertwerdens aber immerhin, das ist ja von Berlin aus auch nicht der nächste Weg. LESS selbst bezeichnet seine Musik übrigens selbst als "minimalistischen, depressiven Indiepop" und schätzt es gar nicht, wenn diese "von gutgelaunten Zynikern als ‚idealer Soundtrack zum Suizid'" bezeichnet wird. Erschreckend, der Mann meint das also auch noch ernst mit dem Klagelied. Bleibt ihm nur noch viel Spaß dabei zu wünschen.