Oceansize

Auf die harte Tour.

Neulich in München wurde es interviewtechnisch mal wieder recht spät. Soundcheck ab 19.30 Uhr, dann Waschen, Schneiden, Legen, ein paar Worte in den Cassentenrecorder und ab auf die Bühne.

Optimal ist was anderes. Aber Oceansize waren wirklich sehr, sehr spät dran. Zu dumm, wenn man in Bayern in einem Minibus mit ausländischen Kennzeichen unterwegs ist. Da wird man halt gern mal rausgewunken und von oben bis unten nach irgendetwas durchsucht. Sogar die Hundis wurden durch das Fahrzeug geführt. Und da das alles selbstverständlich seine Zeit braucht, muss man die sich halt nehmen. Besonders, wenn die eifrigen Spürnasen dann doch noch zweieinhalb Krümel Gras zu Tage fördern, woraufhin die Terroristen endlich verhaftet werden können. Wär ja auch noch schöner.

Kurzum, sowohl Band als auch Begleitpersonal waren nicht nur zu spät, sondern vor allem fett genervt. Von der ernsthaften Halsentzündung des Sängers mal ganz abgesehen. So wollen wir das haben! Was wir draus gemacht haben? Das Beste selbstredend. Mit ein wenig Vodka-Red-Bull lassen sich doch immer wieder erstaunliche Ergebnisse erzielen. So ließ sich unter anderem das ein oder andere Mißverständnis aufklären. Nein, kein Blut auf dem Cover. Farbe ist's. Keine zwei, sondern vier (!) Gitarren. Und ja, Doubble-Bassdrum, und zwar nicht zu knapp. Was macht eine soche Band also anderes als Hartrock? Einiges. So beziehen sie ihre Einflüsse zum Beispiel von des Cardiacs (Wahnsinn, kennt die noch einer?), hängen mit Elbow ab und verstehen sich ganz gut mit Biffy Clyro.

Bei näherer Hinsicht ließe sich der Stil von Oceansize vielleicht als die Rohumsetzung der detaillreichen Selbstverliebtheit Elbows bezeichnen. "Effloresce" ist eine recht turbulente Reise durchs Innere. Insofern fordert das Album dem Hörer auch zunächst ein wenig Zeit ab. Die Kompositionen sind ausgefeilt und vor allem sehr sorgfältig produziert. Was jedoch am meisten verwundert, ist die Härte, mit der die Jungs phasenweise zur Sache gehen. Klingt gar nicht mal so britisch, und nach Manchester schon gar nicht. Na ja, eigentlich ist man ja auch eher aus Leeds zugereist. Aber auch mit dem Sound von The Wedding Present hat das hier nicht viel am Hut. So ist "Effloresce" ein sehr eigenständiges aber eben auch eigenwilliges Album. Über die Klasse-Single "One Day This Could All Be Yours" gibt es hier einiges zu entdecken. Ein wenig Zeit sollte man allerdings schon mitbringen.

Lars Schneider

Aktuelles Album: "Effloresce" (Beggars Banquet/Beggars Group)
Internet: www.sizeofanocean.com

 


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