Horse-tiger
(klangbad)
Strugatzki hat seinen Soundtrack bekommen. Nachdem dem gebildeten Mitteleuropäer zunächst einmal herb düstere Literatur in der Tradition von Dostojewskij, Tolstoi und dem genanntem Strugatzki als russisches Exportgut bekannt war, darf er sich jetzt zwischen den Kapiteln Ole Lukkoye anhören. Von den sechs Stücken auf dem Album horse-tiger hält sich keines an Vorgaben hierzulande gewohnter Musikgewohnheiten. Weder findet man einen Track in radiokompatibler Länge von dreidreißig, noch wird man nach einmal kurz durchhören eine Schublade finden, in die man Ole Lukkoye schnell und bequem schieben könnte. In das Fach mit Kaminers "Russendisko" jedenfalls nicht. Man könnte es mit Ethno Trance versuchen, oder, bei schlechter Laune, mit elektronisierter Folklore. Die Stücke "Zagoralos'" und "The Peacock" bedienen sich schließlich traditioneller russischer Melodien. Anderweitig böte sich noch an, bei den persönlichen Housemusiktheorien ein russisches Kapitel zu schreiben.
Über zum Teil buschtrommelesken Basslinien wabert ein Gemisch aus diversen Elektroeffekten, Perkussion und der entrückten Stimme von Boris Bardash. Bisweilen betritt ein fremdartiges Geräusch den Tranceklangteppich, nickt kurz, stolpert über die Kante, ist verschwunden und lässt den Hörer mit der Frage zurück, was es denn nun eigentlich war. Synthieklang oder unbekanntes Instrument? Bei sorgfältigem Zuhören findest du es vielleicht wieder, die Musik bleibt dennoch fremdartig und ungewohnt, was ja nichts schlechtes ist. Ähnlich dem Cover, bleibt sie unwirklich und nur schemenhaft erahnbar. Eine verworrene Skulptur mit einigen Spitzen und einem matten Schimmer, dahinter ein paar Wolken, ein diesiger Himmel und eine schemenhafte Landschaft. Rätselhaft, unbekannt, Ole Lokkoye, eine Märchenfigur. Das Coverfoto wurde am Bodensee aufgenommen. Gar nicht so weit weg.
Maggi Wilhelms