IVY
Guestroom
(Minty Fresh/Unfiltered Music)
(cas) New Yorks unbekannte All Star Band veröffentlicht ihr viertes Album, auf dem uns diesmal ausschließlich Cover-Versionen dargeboten werden. Adam Schlesinger, ganz nebenbei auch noch Mitglied bei den Fountains of Wayne, und Andy Chase, Produzent von Tahiti 80's letzjährigem Debut "Puzzle", haben dafür die umfangreichen Plattensammlungen nach ihren Favoriten durchstöbert. Die überaus liebevolle Auswahl zeigt einmal mehr, dass die beiden augenscheinlich ihren guten Geschmack mit der großen Kelle aus der Bowleschüssel der Popmusik schöpfen. Bei den achtziger Indiehelden Cure, Go-Betweens, House of Love und Orange Juice denkt man unweigerlich an verrauchte Partykeller zurück, als Jungs Dosenbier und die Mädchen Amaretto tranken. Obendrauf gibt es reichlich obskure Hits von Steely Dan, Papas Fritas sowie den Blow Monkeys. Ivy bleiben dicht am Original, obwohl bisweilen ein zurückhaltender Elektrobeat hinzugefügt wurde, der die Songs stilvoll begleitet. Wenn dann Sängerin Dominique Durand als gebürtige Pariserin kurzerhand während Serge Gainsbourgs "L'Anamour" die verschollene französische Lässigkeit wiederentdeckt und anschließend den alten Ronettes Klassiker "Be My Baby" lasziv dahinhaucht, ist endgültig Engtanz angesagt. La Boum, die Fete geht weiter. Wir feiern bis zum Morgengrauen, plündern betrunken die elterliche Hausbar und rollen unsere Schlafsäcke im Gästezimmer aus.
HOT HOT HEAT
Make Up The Breakdown
(Sub Pop Records)
(cas) Es war nach den fetten Jahren lange Zeit beängstigend still geworden, was den Garagenrock-Nachwuchs im amerikanischen Nordwesten betraf. Doch auf einmal ist man wieder voll in der trendsetzenden Überholspur, nachdem zuerst The Rapture aus NYC an Land gezogen und jenseits der Grenze in Victoria, British Columbia, die vier Jungs von Hot Hot Heat entdeckt wurden. Kein geringerer als Sub Pop Produzentenlegende und Mudhoney Spezie Jack Endino zeichnet für die Arbeit an ihrem ersten Album verantwortlich. Das Quartett entwickelt dabei einen unglaublichen Melodiemix aus 60s Mod Rock und 80s New Wave Elementen, der an frühe XTC oder Madness ("Get In Or Get Out") erinnert. Auch der oft bemühte Vergleich mit The Cure ist angesichts eines Songs wie "Talk To Me, Dance With Me" selten naheliegender gewesen. Wie die Kollegen von Koufax verbinden Hot Hot Heat Keyboard Läufe mit wilden und ungestümen Gitarrenriffs, die in aller erster Linie tanzhallenkompatibel sind. Ganz großes Entertainment mit riesigem Spaßfaktor. Sehr beruhigend zu sehen, dass Musik aus Seattle heutzutage nicht gleichbedeutend mit Best Of Alben von Nirvana ist. Der Sub Pop Megastore ist wieder eröffnet und lädt ein zum Kaufrausch.