Sad Songs for Dirty Lovers
(Talitres Records)
In Anbetracht des Namens stellt sich die Frage, ob ‚The National' denn noch eine der vielen "The" - Bands sei. Nicht ganz. Der handfeste, drei-weiße-Streifen-kompatible Sound bekommt bisweilen Gesellschaft von hübsch produzierten Klangeffekten und einer Prise Countrystyle. Nicht zuletzt durch Matt Beringers Marlboro-Man-Stimme. Kein Wunder, man stammt aus Ohio, genauer Cincinnati. Rückblende: 2001 erscheint das Debütalbum "The National". Nie hatte die Band, Matt Beringer und noch zwei Paar Brüder, zuvor live gespielt, dennoch wurden sie in den Staaten bald als neuer Underground gehandelt. Es folgten zahlreiche Auftritte, Aufnahmen in sieben verschiedenen Studios und nun das zweite Album, "Sad Songs For Dirty Lovers". Trotz des hörbaren Westernsounds quält "The National" nicht mit aufdringlichem Banjogefiedel, sondern vereint das Beste aus beiden Welten. Die Lagerfeuerromantik und das Storytelling des Country mit der Instrumentallastigkeit und musikalischer Expression des Retrorock. Vergleiche mit Nick Cave und The Smiths wurden in der Presse bereits angestrengt. Trotz der Mischung bodenständiger Klangsparten ist dies keine Musik für den Adornoschen Unterhaltungshörer. Für den wäre der Sound von "The National" zu komplex und daher zu anstrengend. Außerdem wäre es schade um die vielen kleinen Effekte, wenn man sie nicht suchen und finden würde. Das Album hält, was sein Titel verspricht, also schön verzweifelten Kuschelrock für Trainingsjacken und andere Zuhörer.
Maggi Wilhelms