Virginia Jetzt!

Anfänger
(Universal)

(emwe). Subtil hat ausgedient. Den Meilenstein, den die Sportfreunde Stiller in Sachen direkter Wortwahl mit ihrem Burli gesetzt haben, nehmen Virginia Jetzt! als Startlinie und spurten kräftig los. In einer Art Optimismus - Relaunch, bekommt die "happy to be unhappy" - Fraktion ihr Fett weg, die wahre Liebe darf auch nicht fehlen und im Grunde geht's uns ja allen sehr gut in Zeiten der Stagnation. Was soll da noch gesagt werden? Nichts, aber gefragt muss sein. Ob das jetzt so fremd wirkt, weil es der bislang vehement gemiedenen Schlagersparte zugeordnet werden muss. Oder ob es vielleicht bereits die Erfüllung des in "Liebeslieder" geäußerten Wunsches ist, Virginia Jetzt! mögen doch Lieder schreiben, "die so wahr sind, dass sie keiner hören will". Die Antwort bleibt die momentane Gemütslage schuldig. Wer verprügelte Drums und gequälte E-Gitarren allerdings unabhängig seiner Tagesverfassung mag, der kann hier lang suchen und wird nicht froh. Jede persönliche Musikpräferenz außer acht gelassen, muss man Virginia Jetzt! eines zugute halten. Das hier ist noch Musik, die für sich charakteristisch ist und nicht noch mal irgendeine Indieband, die feinfühlige Popperlen auf den überhäuften Tonträgermarkt schmeißt. Die hat man gern, weil man die Gruppe mag und nicht einfach so grob die Musikrichtung. Weil man das will, diese extrovertierte Introvertiertheit, die Pennälerlyrik ohne verschämte Bemäntelung der eigenen Gefühle mittels Hasstiraden oder verschlüsselter Ausdrucksweise. Es ist auch möglich, sie nicht zu mögen. Wegen der Süßigkeit, wegen der voraussagbaren Reime oder was auch immer. Keine Meinung geht nicht, dafür sind sie zu präsent.


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