Thomas M. und die Musik

Die neue Platte derer "VonSpar" ist schwer verdaulich und muss somit wohl Kunst sein

"Eine Kunst, die 'ins Volk geht', die Bedürfnisse der Menge, des kleinen Mannes, des Banausentums zu den ihren macht, gerät ins Elend, und es ihr zur Pflicht zu machen, etwa von Staates wegen; nur eine Kunst zuzulassen, die der kleine Mann versteht, ist schlimmstes Banausentum und der Mord des Geistes." Soweit Thomas Mann in seinem ‚Doktor Faustus' zum Thema.

Das war zwar jetzt Weltliteratur, aber selbst die wird ja gerne mal falsch verstanden. Die Musik der Band "Von Spar" ist auf jeden Fall jenseits der landläufigen, bürgerlichen Definition "Kunst ist, was schön ist". Laut Thomas Mahmoud sind die Texte auf der Platte "eher eine Beobachtung". Eine Beobachtung "dieser Widersprüche in der Gesellschaft". Dazu Textzitate aller Orten, wie sich das gehört. Die offensichtlichsten unter den Versteckten sind wohl "Ich-Maschine" und "Macht kaputt, was euch kaputt macht". Nur die Stelle mit "schalt mich ein - schalt mich aus" ist ein Zufall. "Das soll mehr das kritische Bewusstsein fördern und das Nachdenken", wünscht Mahmoud. Die Gesellschaft zu beobachten, nachzudenken und selbiges damit auch vom Rest der Bevölkerung zu fordern ist seit alters her der kleinste gemeinsame Nenner jeder Intelligenzia. Hierzu will man sich gerechnet wissen. Nicht zur NDW, weder der alten noch der ganz neuen. "NDW ist für mich ein negativ besetzter Begriff", wehrt Mahmoud sofort jeden Ansatz eines Vergleichs ab. "Ich beruf mich da lieber auf die Sachen, die in den Endsiebzigern passierten. Sowohl in Großbritannien und den USA, als auch in Deutschland. Fehlfarben zum Beispiel". Der Ursprung ist der selbe, das Ergebnis verschieden. Affe oder Mensch, wer steht hier höher? Henne oder Ei, wer war zuerst?

Von Spar ist eine sehr neue Band, erst seit einem Jahr und ein paar Monaten existent. Die Bandmitglieder Thomas Mahmoud und Jan Phillip Janzen sind musikalisch noch anderweitig unterwegs, bei "Urlaub In Polen" zum Beispiel. Die Entstehung der Band ist ganz der elektronische Klassiker. "Wir saßen mal so rum und dann kam eben die Idee. Wir haben dann rumexperimentiert und geguckt, was man davon am Rechner so umsetzen kann". Mal so ein bisschen rumgefrickelt eben. Lage d'Or zeigten sich offensichtlich sofort begeistert. "Die wollten uns unbedingt", meint Thomas. Das erste Album, soeben erschienen, rief in der Szene Begeisterung hervor. "Endlich wieder Kunst, obwohl es auf deutsch ist", schienen einige Rezensionen mitteilen zu wollen. Unter Musik auf deutsch, missversteht die krampfhaft Linke inzwischen gerne eine neuerstehende Rechte, die verachtenswerterweise verbreiten möchte, dass hinter den Fenstern Menschen sind, oder anderweitig reklamiert. Der Musiker ist dem Musiker ein Kritiker. Politisch korrekt ist Gesang auf deutsch wohl nur, wenn er wenigstens unverständlich genuschelt oder sich gegen so konkrete Dinge wie ‚das System' oder ‚die Gesellschaft' wendet. VonSpar tun letzteres im Rahmen fragmentarischer Wortzusammenstellungen, Andeutungen und frommen Wünschen wie "Wir brauchen mehr Dynamit" und dergleichen. Dementsprechend schrammt auch die musikalische Untermalung scharf an der massiven Mauer zwischen genial und atonal vorbei. Auf welcher Seite der Grenzlinie dies geschieht wird nicht verraten.

Von Spar

Die Uneingeschränkte Freiheit Der Privaten Initiative

(Lado/Rough Trade)

Margot Wilhelms


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